Mauersegler, Apus apus, Common Swift, Halle, Stadtvogelkartierung, Ornithologischer Verein Halle
Mauersegler über Halle (HAL), Mai 2009, T. Stenzel

Verbreitung des Mauerseglers in Halle und Saalkreis 1983-1986
Verbreitung des Mauerseglers in Halle und Saalkreis als Ergebnis der Feinrasterkartierung 1983 - 1986

Verbreitungskarte aus: Schönbrodt & Spretke (1989): Brutvogelatlas von Halle und Umgebung



Projekt: "Vögel in der Stadt" - Mauersegler

Angaben zum Mauersegler im Brutvogelatlas von Halle und Umgebung

Mauersegler Apus apus

B C+D V BP
21 91 14,5 1500-2000

Mauersegler sind neben Straßentauben Charaktervögel von Altstadtkernen mit mehrstöckigen Reihenhäusern. Nistplätze findet der gewandte Flieger in Nischen der Hausfassaden, in Hohlräumen unter den Dachkanten und andern Höhlungen im Dachbereich. Immer befinden sich die Bruthöhlen im oberen Teil hoher Wände und gestatten einen freien An- und Abflug von und nach unten. Während der Kartierungszeit konnten keine Bruten in Nistkästen, baumhöhlen oder natürlichen Höhlungen in Steil- und Felswänden nachgewiesen werden. Die Mauersegler brüten kolonieartig über das Stadtgebiet verteilt. Auch außerhalb menschlicher Siedlungen, an Industrieanlagen, einzeln stehenden hohen Gebäuden oder auch Ruinen sind Bruten bekannt geworden.
Die Rasterkarte zeigt eine auf das bebaute Stadtgebiet konzentrierte Brutverbreitung. Dabei werden nun auch ältere Neubaugebiete zunehmend besiedelt, wenn Defekte im Dachbereich auftreten und so der Mauersegler Brutplätze findet. In Halle-Neustadt begannen erste Brutversuche 1981 (SPRETKE 1986). Bisher unbekannt war die doch weite Verbreitung des Seglers in den Städten und Dörfern des Saalkreises. Er brütet hier an hohen Industriebauten, seltener an mehrstöckigen Häusern und an Kirchtürmen. Angaben zur Siedlungsdichte sind schwierig, da die Erfassungsgenauigkeit bei meist nur zwei Kontrollgängen nicht ausreicht, um genaue Brutpaarzahlen des Mauerseglers zu ermitteln. So beruhen die Angaben pro Raster auf mehr oder weniger groben Schätzungen des Bearbeiters. Besonders im Innenstadtbereich stand für genauere Kontrollen wenig Zeit zur Verfügung. Trotzdem ist die Übereinstimmung der Brutbestandszahlen von Rasterkartierung und Avifauna von Halle und Umgebung (GNIELKA 1983) auffällig.

Quelle: SCHÖNBRODT, R. & T. SPRETKE (1989): Brutvogelatlas von Halle und Umgebung.Ergebnisse einer Feinrasterkartieung 1983-1986.Natur und Umwelt.Halle.1989.



Angaben zum Mauersegler in der Avifauna von Halle und Umgebung

Mauersegler Apus apus, Sommervogel

Halle: 550-1800 BP
Saalkreis: 100-250 BP

Er gehört zu den auffälligsten Vögeln der Stadt, und dennoch ist unser Wissen über seine Verbreitung lückenhaft. Vor allem besiedelt er Industriebauten und höhere Gebäude älterer Stadtteile. Hier brütet er vorzugsweise über 12 m hoch in Höhlungen unter der Dachtraufe; die Einflugsöffnungen sind meist schmale horizontale Schlitze. Dabei bezieht er keineswegs alle geeigneten Plätze, sondern er brütet fast ausschließlich in kleineren Kolonien von 4 bis 10 Paaren, die über Jahrzehnte an ihren ungleichmäßig über die Stadt verteilten Niststätten festhalten. Größere Ansiedlungen von 30 bis 40 Paaren gibt es an den Kraftwerken Trotha und Bruckdorf und an den Silos in Trotha. Aus Neubaugebieten gibt es keine Nachweise. Auch in Halle-Neustadt war der Vogel noch 1980 nur als Nahrungsgast bekannt. In drei Fällen wurden Nistkästen bezogen, eigens für die Art angebracht: 25.5.1904 – 2 Eier, Torstraße, 2. Etage (E.Hesse/Kummer); 1963/38 – Alt- und Jungvögel beringt, Amtsgarten (Wehling); 1967 – Zoologisches Institut, Domplatz (Stiefel). Das Brüten in hohlen Bäumen beobachtete REY (1871a) einmal in der Dölauer Heide.
Aus dem Saalkreis sind nur wenige Brutplätze bekannt. Im Städtchen Löbejün wird der Bestand auf 75 Paare geschätzt (Grimm), in Wettin auf etwa 25 BP. Kleinere Ansiedlungen von 4 bis 15 Paaren gibt es an den Zuckerfabriken Benkendorf und Langenbogen, am Kaliwerk Teutschenthal, am Bahnhof Salzmünde, am Drahtwerk Rothenburg und am Schloß Schochwitz. Ferner wird ein Brüten in Höhnstedt und Beesenstedt vermute, aber in den meisten Dörfern fehlt die Art, wogegen REY (1871a) schrieb: "Brütet in ... Halle und mehreren Dörfern in der Nähe sehr häufig"; und NEUBAUR (1908) gibt für Krosigk an: "... in unserer Gegend ein allgemein bekannter, sehr häufiger Brutvogel", was heute für die Dörfer am Petersberg nicht mehr zutrifft.
Die Ankunft des auf fliegende Insekten angewiesenen Vogels an den Brutplätzen fällt in die erste Maidekade und ist witterungsbedingt starken Schwankungen un-terworfen. Die hohen Flugleistungen des Seglers ermöglichen ein frühzeitiges Vorprellen einzelner Vögel, die sich – in Übereinstimmung mit NAUMANN (1833) – in den Tagen um den 23.4. zeigen. Früheste Beobachtung der letzten Jahrzehnte: 12.4.1960 – 1 Segler über den Mötzlicher Teichen (Berg, Stiefel). TASCHENBERG (1918b) bemerkte die ersten zwischen dem 6. Und 30. April. Naumann, Rey und Taschenberg glaubten, daß der Segler in Halle auffällig früher erschien als in anderen Städten des mitteldeutschen Raumes. Das ist wahrscheinlich ein Trugschluß, begründet auf der höheren Beobachtungswahrscheinlichkeit in einer großen Stadt. Bei anhaltend kühler Witterung verzögert sich die Rückkehr der Segler. So zeigten sich 1974 die ersten am 4.5., die Masse kam erst am 10. Und 11.5. (GNIELKA 1977a). Oft glücken die frühesten Nachweise an Teichen, also nicht in der eigentlichen Stadt.
Der Abzug der Masse erfolgt in den Tagen um den 31. Juli. Nachzügler gibt es zuweilen noch im September: 13.9.1976 – 1 über dem Rattmannsdorfer Teich (Hall-mann); 15.9.1921 – noch etwa 100 ziehen im lockeren Verband bei Beesen (KUMMER i.Dr.), 19.9.1971 – 1 Teiche Planena (Gnielka/TAUCHNITZ 1981), 24.9.1978 – 1 über dem Heidesee (Wendt). Vereinzelte Spätbruten werden erst im August flügge: 12.8.1969 – füttert noch, Ossietzkystraße 23 (Gnielka); "Henning fand in Halle noch einmal am 22.8. Nestjunge" (REY 1871a).
Bei kaltem Wetter verlassen die Altvögel ihre Jungen, unter denen es dann hohe Verluste geben kann. Katastrophenjahre für die Segler waren 1954 und 1962. Vom 30.6. bis 24.7.1954 wurden 48 tote Vögel im Zoologischen Institut abgeliefert (PIECHOCKI 1956c). Noch mehr Totfunde gab es Anfang Juli 1962 (der kälteste Juli seit 1898 brachte in Halle eine Tagesmitteltemperatur von 9,1 °C).

Quelle: GNIELKA (1983): Avifauna von Halle und Umgebung.Teil 1. Singvögel, Ziegenmelker, Segler, Rackenartige, Spechte.Natur und Umwelt.Halle.1983.




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