Mehlschwalbe, Delichon urbicum, House Martin, Halle, Stadtvogelkartierung, Ornithologischer Verein Halle
Mehlschwalbe am Nest, Greifswald (HGW), Juli 2008, D. Sellin

Verbreitung der Mehlschwalbe in Halle und Saalkreis 1983-1986
Verbreitung der Mehlschwalbe in Halle und Saalkreis als Ergebnis der Feinrasterkartierung 1983 - 1986

Verbreitungskarte aus: Schönbrodt & Spretke (1989): Brutvogelatlas von Halle und Umgebung



Projekt: "Vögel in der Stadt" - Mehlschwalbe

Angaben zur Mehlschwalbe im Brutvogelatlas von Halle und Umgebung

Mehlschwalbe Delichon urbicum

B C+D V BP
14 273 37,3 4500-5000

Ebenso wie die Rauchschwalben leben die Mehlschwalben meist in ländlichen Siedlungsgebieten. Da sie überwiegend Koloniebrüter sind, ist ihre Verbreitung lückenhafter als die der Rauchschwalbe. Dafür kommt es in den besiedelten Orten oft zu größeren Brutpaarzahlen. Mehlschwalben bauen ihr bis auf ein kleines Einflugloch geschlossenes Nest meist an den Außenseiten von Gebäuden. Nistplätze befinden sich unter den Dachkanten, unter Balkonen und anderen Fassadenvorsprüngen, nur selten in mehr oder weniger halboffenen Stallanlagen. Viehhaltungen und auch Gewässer verbessern das Nahrungsangebot für die Schwalben und scheinen die Verbreitung der Art zu fördern. Dörfer mit großen Brutbestständen sind z.B. Fienstedt (110 BP), Pfützthal (160-190 BP) und Lettin (140 BP). Die Brutverbreitung im vollständig bebauten Stadtgebiet weist Besonderheiten auf. Reine Altstadtviertel sind mehlschwalbenfrei. Dagegen findet die Schwalbe an Neubauten inmitten der alten Bausubstanz Brutmöglichkeiten, so in der Nähe vom Thälmannplatz und Hauptbahnhof mit 75-80 BP, was bereits in der Halle-Avifauna (SPRETKE in GNIELKA 1983) beschrieben wird. Die Neubaugebiete im Süden von Halle und Halle-Neustadt sind vollständig besiedelt, doch entstehen an den Neubaublocks keine dicht geschlossenen Kolonien. Die Schwalben nisten meist einzeln oder in kleinen Gruppen unter Balkonen über die gesamte Hausfassade verteilt. Manche Nester werden durch die Hausbewohner entfernt, denen Schmutz- und Lärmbelästigung zu groß sind. Ein Brettchen unter dem Nest angebracht, schafft Abhilfe! ANSORGE (1982) will in einem fertiggestellten Wohnkomplex Halle-Neustadts einen Bestandsrückgang erkannt haben, den er auf abnehmende Feuchtstellen und Schlammpfützen zurückführt, die früher, durch Bautätigkeit bedingt, vorhanden waren. Er nennt Brutdichten von 0,9 – 1,3 BP/10 ha. Durch die Feinrasterkartierung wurde für das Gesamtgebiet eine Siedlungsdichte von 5,8-6,5 BP/km² ermittelt. Die Bestandsentwicklung scheint gegenwärtig ausgeglichen zu sein. Bruten, die stellenweise in ländlichen Gebieten verlorengehen, werden durch die Besiedlung der Neubaugebiete z.T. kompensiert. Die verstärkte Innenstadterneuerung in Großplattenbauweise dürfte in den nächsten Jahren eine weitere Bestandserhöhung im Stadtgebiet von Halle erwarten lassen. Die von SPRETKE in GNIELKA (1983) genannten Maximalzahlen liegen etwas über den Brutpaarzahlen der Rasterkartierung. Dieser Umstand ist schwierig zu interpretieren. Es sind sowohl zu hohe Bestandszahlen für den Beginn der 1980er Jahre als auch ein geringfügiger Bestandsrückgang durch Nistplatzverluste auf dem Land möglich. Während der gesamten Brutzeit sind Mehlschwalben an den Nistplätzen ebenso gut erfaßbar wie Rauchschwalben. Durch das meist kolonieartige Brüten der Mehlschwalbe sind bei dieser Art leicht genaue Brutpaarzahlen zu ermitteln.



Angaben zur Mehlschwalbe in der Avifauna von Halle und Umgebung

Mehlschwalbe Delichon urbicum, Sommervogel

Halle: 400-1200 BP
Saalkreis: 2000-6000 BP

Von Natur aus baut die Mehlschwalbe ihre Nester an Felsen; bei uns nistet sie jedoch ausschließlich an Bauten, vorrangig an kurz überdachten Teilen der Fassaden. Lange Zeit galt, was REY (1871a) schrieb: "... nicht häufig bei Halle, in der Stadt nur wenige Häuser, an denen sie nistet." Im Gasthof "Zur Weintraube", Geiststraße 58, gab es eine Kolonie im Flur von ungefähr 18 Nestern nach Art der Rauchschwalbe(WENZEL 1895). Später beklagte O. Keller eine Abnahme der Art in der Stadt (BORCHERT 1927). Von 1953 bis 1955 gab es wenige Nester in der Wallstraße und bis 1960 etwa 10 in der Breiten Straße (KUCKELT 1954). Im Tierzuchtkomplex der Universität, der in der Abderhaldenstraße ebenfalls mitten in der Stadt liegt, brüteten 1961 noch 2 Paare. Bis zum Bau der Kröllwitzer Brücke bestand eine Kolonie an einem langen Stallgebäude am Kröllwitzer Saaleufer. 1958-60 siedelten Mehlschwalben am Nordbad und in der Trothaer Straße (bis 13 Nester). Im südlichen Stadtgebiet existierte eine Kolonie bis mindestens 1960 an "Rusches Hof", dessen Wirtschaftsgebäude den Neubauten im Bereich Theodor-Neubauer-Straße weichen mußten. Die Vögel siedelten auf die Neubaublocks um und vermehrten ihren Bestand auf etwa 90 Paare (KRAMER 1972). Ihren Namen als "Stadtschwalbe" machte sie auch in Halle-Neustadt Ehre. 1971 brüteten etwa 50 Paare an Balkonen des II. Wohnkomplexes (Koch, Kant).

Nach wie vor bewohnt der Hauptteil des Bestandes jedoch die dörflichen Randsiedlungen der Stadt: Mötzlich (bis 20 BP), Lettin, Nietleben (bis 1945 am Dorfplatz Nr. 5 allein 20 Nester), Planena (1958 – 12 Nester), Beesen (über 20 Paare), Osendorf (1969 mind. 95 Nester), Wörmlitz, Reideburg und Büschdorf. Die größte Kolonie des Stadtkreises befand sich in Radewell im Gehöft Wasserstraße 11 (1970 – 108 Nester); weitere Angaben bei KRAMER (1972) und KUMMER (i. Dr.). Bemerkenswert sind zwei Neuansiedlungen: Am Ernst-Kamieth-Platz (Hauptbahnhof) brüteten 1973 erstmals 4 Paare, 1978 schon 8 unter Loggien. 1979 hatte sich die Kolonie auch auf die Fassaden der benachbarten Kirchnerstraße ausgedehnt (25 Nester, Gnielka). Eine ökologische Besonderheit ist die Ansiedlung der Mehlschwalbe in der Stahlkonstruktion einer neuen Saalebrücke unterhalb von Halle-Böllberg. Die Nester haben auf den Winkeleisen festen Halt. Über den angrenzenden Auenwiesen finden die Vögel reichliche Nahrung. 1974 nisteten dort die ersten Ansiedler (etwa 8 Nester), 1975 war schon mit mindestens 14 Paaren und 1977 mit 50 Paaren zu rechnen (Gnielka).

Im Saalkreis ist sie unterschiedlich vertreten: Es gibt Orte, wo sie überhaupt nicht anzutreffen ist, in anderen nistet sie häufiger als die Rauchschwalbe, z.B. in Zaschwitz (1977 – 39 Nester). Umfassende Bestandserhebungen stehen aber noch aus.

Brutperiode: Frühestes Gelege (5 Eier) am 23.5. (REY 1871a). Die Jungen der 1. Brut fliegen Anfang Juli, die der 2. Im August, nicht selten auch im September aus. Spätestes Ausflugsdatum: 24.9.1970 (KRAMER 1972).

Die ersten Mehlschwalben erschienen 1955, 1960 und 1972 am 8. April, sonst überwiegend in der 2. Aprilhälfte; Mittel (1951 bis 1978): 21. April. Ab Ende August kommt es vor dem Wegzug zu Konzentrationen an Gewässern: 30.8.1976 – 1000, Hufeisensee; 4.9.1976 – 500, Rattmannsdorf; 13.9.1970 – 200, Saale-Elster-Aue. Durch besondere Witterungsumstände (siehe Rauchschwalbe) hielten sich 1974 am 13.10. noch 150 in der Saaleaue und 300 bei Wettin (Wischhof) auf, einzelne auch noch am 5.11. Hufeisensee (Hallmann) und am 18.11. bei Dölau (Hofer). Die Letztbeobachtungen schwanken zwischen 8.9. und dem 18.11.; Mittelwert von 1954 bis 1978: 3. Oktober.

T. Spretke

Quelle: SPRETKE, T. In: GNIELKA (1983): Avifauna von Halle und Umgebung.Teil 1. Singvögel, Ziegenmelker, Segler, Rackenartige, Spechte.Natur und Umwelt.Halle.1983.




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