Haubenlerche, Galerida cristata, Crested Lark, Halle, Stadtvogelkartierung, Ornithologischer Verein Halle
Haubenlerche im bevorzugten Lebensraum: Baumarkt Merseburger Straße, Halle (HAL), Februar 2008, T.Stenzel

Verbreitung der Haubenlerche in Halle und Saalkreis 1983-1986
Verbreitung der Haubenlerche in Halle und Saalkreis als Ergebnis der Feinrasterkartierung 1983 - 1986

Verbreitungskarte aus: Schönbrodt & Spretke (1989): Brutvogelatlas von Halle und Umgebung



Projekt: "Vögel in der Stadt" - Haubenlerche

Angaben zur Haubenlerche im Brutvogelatlas von Halle und Umgebung

Haubenlerche Galerida cristata

B C+D V BP
11 89 13,0 180-300

Die Neubaugebiete und Großbaustellen an der Peripherie der Stadt Halle heben sich als Verbreitungsschwerpunkte der Haubenlerche deutlich heraus. Brutdichten von 6 bis 10 BP/km² sind hier nicht selten. Halle-Neustadt, die Südstadt, die Silberhöhe und Heide-Nord sind Neubaustandorte, wo zusagende Bedingungen zur Nestanlage und Nahrungssuche bestehen. Größere Freiflächen mit schütterer oder kurzer Vegetation sind Voraussetzungen für ihr Vorkommen, z.B. Baugelände, Industriebrachen, Sportplätze, kurzrasige Freiflächen zwischen Wohnblocks oder an Verkehrsstraßen. Mit zunehmender Begrünung der Freiflächen durch Bäume und Sträucher verschwindet die Haubenlerche. Als Beispiel Halle-Neustadt: um 1980 60-160 BP (Spretke in Gnielka 1983); 1982 60-120 BP (Gnielka 1985); 1983-1986 50-90 BP.

Im Saalkreis fehlte die Haubenlerche bis in die 1960er Jahre in kaum einem Dorf. Heute sind nur noch wenige Orte besetzt, meist in der Umgebung größerer Tierproduktionsanlagen. Mehrere Paare nutzen die ausgeräumte Spreu der Geflügelintensivhaltungen des KIM Gutenberg als Reviere, die Dächer der Baracken dienen als Singwarten.

Verkehrslärm, Bautätigkeit und menschliche Nähe stören diese Vogelart kaum, es scheint sogar, als suchten sie diese Faktoren. Nur drei Brutpaare wurden fernab menschlicher Siedlungen und Produktionsstätten bzw. Verkehrsanlagen gefunden, an der Müllstelle am Schalenberg, auf der Ruderalfläche östlich des Hufeisensees und im Bergbaurestloch bei Osendorf. Die Bergbaufolgelandschaft bei Etzdorf und andere Abbauhohlformen waren unbesetzt.



Angaben zur Haubenlerche in der Avifauna von Halle und Umgebung

Haubenlerche Galerida cristata, Jahresvogel

Halle: 40-120 BP
Halle-Neustadt: 60-160 BP
Saalkreis: 30-100 BP

Freiflächen und Plätze mit spärlicher Vegetation sind ihr Lebensraum. Als Singwarten benutzt sie kleine Hügel oder Steine, Zäune und Dächer. Vereinzelt hat sie auf großen Flachdächern gebrütet; so z1928 auf den Stalldach des Gestüts Kreuz in Kröllwitz (Nilius), vor 1960 auf einem flachdach am Reileck (Forchner), 1977 auf einem kiesbeschichteten Dach am Felsensportplatz (Kästner) und wahrscheinlich bis in die Gegenwart auf den Dächern des Kühlbetriebes Trotha.

Nach 1945 war dei haubenlerche Charaktervogel auf Trümmerflächen (z.B. an der Moritzkirche). Vorrangig besiedelt sie Sportplätze, Rasenflächen, Industrieödland und Wendeschleifen der Straßenbahn. Lärm und Unruhe stören sie wenig. Sie kommt zur Brutzeit sogar auf den Grünstreifen zwischen stark frequentierten Fahrbahnen vor (so in der Franckestraße in der Nähe des Thälmannplatzes). Auf Großbaustellen und in Neubaugebieten ist sie Charaktervogel. Am 25.2.1965 ergab eine Linientaxierung vorwiegend singender Vögel, daß in Halle-Neustadt mindestens mit einem Bestand von 100 Paaren zu rechnen ist (Wischof). Bei zunehmenden Bewuchs auf den Grünflächen mit Büschen und Bäumen räumt sie die Neubauviertel wieder. Sie siedelt sich auch gerne auf Müllkippen an. Einzelne Paare brüten auf dem Abraumgelände am Rande des Tagebaus Halle-Bruckdorf (Gnielka 1966) sowie an den Kiesgruben bei Büschdorf und bei Rattmannsdorf. Bis in die 1960er Jahre kam sie an nicht wenigen Stellen auf Kleinflächen mitten in der Stadt vor. Bemerkenswert ist ein Nestfund 1965 auf einer kleinen Rasenfläche vor dem Julius-Kühn-Haus in der Ludwig-Wucherer-Straße.

Im Saalkreis fehlte sie bis in die 1960er Jahre in kaum einem Dorf. In der Nähe großer Stallanlagen hat sie sich bis heute gehalten. Wenn man von lokaler Zunahme in Neubaugebieten absieht, ist ihr Bestand im Gesamtgebiet beträchtlich zurückgegangen.

Brutperionde: Rey (1871a) fand Gelege vom 12.04. bis 18.07.; nach milden Winter enthielt ein Nest am 14.4.1961 schon 4 Junge (Forchner).

In den Brutgebieten sind sie ganzjährig anzutreffen. Außerhalb der Brutzeit erscheinen sie auch an Stellen, wo sie im Frühjahr fehlten, vor allem an günstigen Nahrungsquellen, z.B. amn Silos, Strohdiemen, Mist- und Schuttplätzen und auf Schulhöfen. Im Winter dringen sie im stärkeren Maße in die Stadt ein. Zu dieser Zeit bilden sich auch lockere Gesellschaften, so auf der Müllhalde Kanena (bis 20 Vögel). Daß dieser typische Standvogel auch zu beträchtlichen Ortsveränderungen fähig ist, bezeugt der Fund eines am 10.6.1964 in Baalberge (Krs. Bernburg) beringten Tieres am 4.5.1965 in Hohenthurm (Schildmacher & Pörner 1967).

T. Spretke

Quelle: SPRETKE, T. In: GNIELKA (1983): Avifauna von Halle und Umgebung.Teil 1. Singvögel, Ziegenmelker, Segler, Rackenartige, Spechte.Natur und Umwelt.Halle.1983.




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