Turmfalke, Falco tinnunculus, Common Kestrel, Gimritz, Halle
Turmfalke ♀, Gimritz (SK), Mai 2008, T. Stenzel

Aktuelle Brutreviere des Turmfalken im Stadtgebiet von Halle

Der Turmfalke, neben dem Mäusebussard unser häufigster Greifvogel, siedelt im Raum Halle bevorzugt im Siedlungsbereich. Brutplätze sind hier Kirchen, Türme, ältere hohe Industrieanlagen, alte Schulen, Institutsgebäude, aber auch einzelne höhere Wohnhäuser (auch Plattenbauten) oder Brücken. Baumbrüter besiedeln, da Turmfalken wie alle anderen Falken keine eigenen Nester bauen, die alten Nester anderer Greif- und Krähenvögel. Ursprüngliche Brutplätze sind Nischen an Felsen. Solche finden sich bei Halle im Saaletal und in Steinbrüchen. In neuerer Zeit besiedeln Turmfalken in der offenen Landschaft zunehmend Gittermasten (alte Nester von Krähenvögeln oder Nistkästen). Die Bestandssituation der 1980er Jahre ist im Brutvogelatlas von Halle und Umgebung dargestellt.

Der Bestand um Umland von Halle wird durch das Greifvogelmonitoring überwacht. Über die Brutvorkommen in der Stadt wissen wir weit weniger. Viele Brutplätze an Gebäuden verschwinden im Zuge von Sanierungsmaßnahmen. Andererseits stehen durch Nistkästen und die Einwanderung von Krähenvögeln in die Randbereiche der Stadt neue Brutmöglichkeiten zur Verfügung.

Sammlung von Nachweisen in Halle und Umgebung für ein aktuelles Verbreitungsbild:

Hier ist ein Kartenausschnitt der Umgebung von Halle dargestellt.
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Turmfalke (Falco tinnunculus)

   B         C+D          V              BP
  61         144         26,6        200-270

Verbreitung des Turmfalken in Halle und Saalkreis 1983-1986
Verbreitung des Turmfalken in Halle und Saalkreis als Ergebnis der Feinrasterkartierung 1983 - 1986

Verbreitungskarte und Kommentar aus: Schönbrodt & Spretke (1989): Brutvogelatlas von Halle und Umgebung

ehemalige Verbreitung:

Originaltext zur Verbreitung um 1983-1986 aus SCHÖNBRODT & SPRETKE (1989):
Brutvogelatlas von Halle und Umgebung.


Turmfalken ziehen ihre Jungen überall dort auf, wo sie genügend Nahrung erjagen können und eine geeignete Unterlage für ihr meist aus 4 bis 6 Eiern bestehendes Gelege existiert. Er baut, wie bei Falken üblich, keine eigenen Horste. Turmfalken nutzen Nischen, Simse und Löcher an hohen Gebäuden sowie Vorsprünge, Spalten und Löcher in Steilwänden von Steinbrüchen oder benutzen alte Horstunterlagen anderer Greif- und Krähenvögel auf Bäumen und Gittermasten.

Die höchsten Brutdichten erreicht die Art innerhalb des alten Mauerringes im Zentrum von Halle (bis 4 BP/km²). Beim Warten an der Straßenbahnhaltestelle auf dem halleschen Marktplatz sind fast zu jeder Jahreszeit fliegende Turmfalken an der Marktkirche und am Roten Turm zu beobachten oder ihre schrill kickernden Rufreihen aus großer Höhe zu vernehmen. Nicht selten brüten an großen und exponierten Gebäuden mehrere Paare, so z. B. während der Kartierungszeit an der Burg Wettin (bis zu 3 BP), am Silogebäude in Salzmünde (2 BP) und auch an den genannten fünf Türmen des Marktes in Halle (mind. 2 BP). In Halle-Neustadt brütet die Art gern hinter den Betonverzierungen der Treppenhausfenster oder nutzt baulich bedingte Lüftungslöcher und Simse der Neubauten.

Von allen kartierten Brutpaaren siedeln 52 % an Gebäuden und 5 % in Steinbrüchen, dagegen nur 36 % auf Bäumen und 7 % auf Masten. In der 650 ha großen Dölauer Heide nutzen nur 2 bis 3 Paare den Randbereich zum Brüten. Am Petersberg befinden sich alle Vorkommen außerhalb des Waldes in den Steinbrüchen. Als regelmäßiger Felsbrüter in 1 bis 5 Paaren nisten Turmfalken im kraterförmigen Steinbruch auf dem Lerchenhügel nördlich Brachwitz. Zwischen 1968 und 1980 wurden 31 Gelege kontrolliert (Ø 4,3 Eier/Gelege); nur aus 19 schlüpften Jungvögel (Ø 3,9 Junge/erfolgreiches BP) (Schmiedel 1985).

Baumhorste werden wahrscheinlich nur dort bezogen, wo Brutmöglichkeiten an Gebäuden oder Steilwänden nicht gegeben sind. Auch technische Anlagen werden gern angenommen; so wurden Bruten an der Kali-Schachtanlage Teutschenthal, an den täglich mehrfach bewegten Eisentoren der Saaleschleuse in Wettin (!), an Zuckerfabriken und Trockenwerken, im Buna-Werk, am Haupt- und Güterbahnhof, in der alten Bockwindmühle von Oppin und von weiteren ähnlichen Orten gemeldet. Die geringe Scheu der Falken gegenüber Verkehrs- oder Fabriklärm oder gegenüber dem Menschen fällt an solchen Brutplätzen auf.

Der Gesamtbestand des Turmfalken ist höher als von Tauchnitz (in Gnielka 1984) abgeschätzt. Das ist nur durch die genaue Kartierung zu begründen. Eine Bestandszunahme kann ausgeschlossen werden, da die Feldmausdichte der betrachteten Jahre nur schwach bis mittelmäßig war. Somit sind 200 bis 270 Brutpaare im Untersuchungsgebiet als Mittelwert zu sehen, der bei Feldmausgradationen sicher überschritten wird und durch strenge und verlustreiche Winter auch jahrweise niedriger liegen kann. Relativ konstant halten sich die Paare in Halle, Halle-Neustadt und den größeren Orten  des Saalkreises, da sie sich auf ein größeres Beutespektrum stützen können. Hier suchen Turmfalken regelmäßig Nester von Straßen- und Türkentauben nach Jungvögeln ab oder jagen reichlich vorhandene Nager und auch Kleinvögel.

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