Haubenlerche, Galerida cristata, Crested Lark, Vogelbeobachtung, Halle
Haubenlerche (Galerida cristata) im bevorzugten Lebensraum: Baumarkt Merseburger Straße, Halle (HAL),
Februar 2008, T.Stenzel

Aktuelle Nachweise der Haubenlerche im Stadtgebiet von Halle

In Sachsen-Anhalt gehen die Bestände der Haubenlerche (Galerida cristata) deutlich zurück (2005: 1000-1500 Paare bei stark negativem Bestandstrend von über 50 % Rückgang in den letzten 25 Jahren), Quelle: Dornbusch, G., Fischer, S., George, K., Nicolai, B. & A.Pschorn (2007): Bestände der Brutvögel Sachsen-Anhalts - Stand 2005. In: Vogelmonitoring in Sachsen-Anhalt 2006. Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt Halle, SH 2/2007:121-125.).
Den Brutbestand für Halle und Saalkreis gab Spretke 1983 in der Avifauna von Halle und Umgebung (Gnielka,1983) wie folgt an: Halle: 40-120 Brutpaare, Halle-Neustadt: 60-160 Brutpaare, Saalkreis: 30-100 Brutpaare. Daraus ergab sich ein Gesamtbestand von 130-380 Brutpaaren.

Bei der Brutvogelkartierung 1983-1986 wurden im selben Gebiet 180 bis 300 Brutpaare gefunden (Schönbrodt & Spretke, 1989). Die Vorkommen konzentrierten sich in den jungen Neusiedlungen in Halle-Neustadt, der Silberhöhe und Heide Nord. Bereits damals nahm der Bestand im Zuge der Begrünung der Freiflächen mit Bäumen und Sträuchern wieder ab.

Über die aktuelle Verbreitung in Halle und Umgebung wissen wir nur wenig. In den Jahren seit der politischen Wende kam es in Halle und Umgebung zu weitreichenden baulichen Veränderungen: Gewerbegebiete und Einkaufszentren entstanden auf der grünen Wiese, bestehende Produktionsanlagen wurden oft zu Industriebrachen, die großen Neubaugebiete aus DDR-Zeit werden um- und teilweise zurückgebaut.

Sammlung neuer Brutzeitnachweise aus Halle und Umgebung für ein aktualisiertes Verbreitungsbild:

Hier ist ein Kartenausschnitt der Umgebung von Halle dargestellt.
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Haubenlerche (Galerida cristata)
   B         C+D          V               BP
  11         89         13,0        180-300

Verbreitung Haubenlerche, Vogelbeobachtung, Halle, Vogelkunde,Vogelschutz
Verbreitung der Haubenlerche in Halle und Saalkreis als Ergebnis der Feinrasterkartierung 1983 - 1986

Verbreitungskarte und Kommentar aus: Schönbrodt & Spretke (1989): Brutvogelatlas von Halle und Umgebung


ehemalige Verbreitung:

Originaltext zur Verbreitung um 1983-1986 aus SCHÖNBRODT & SPRETKE (1989): Brutvogelatlas von Halle und Umgebung.

Die Neubaugebiete und Großbaustellen an der Peripherie der Stadt Halle heben sich als Verbreitungsschwerpunkte der Haubenlerche deutlich heraus. Brutdichten von 6 bis 10 BP/km² sind hier nicht selten. Halle-Neustadt, die Südstadt, die Silberhöhe und Heide-Nord sind Neubaustandorte, wo zusagende Bedingungen zur Nestanlage und Nahrungssuche bestehen. Größere Freiflächen mit schütterer oder kurzer Vegetation sind Voraussetzungen für ihr Vorkommen, z.B. Baugelände, Industriebrachen, Sportplätze, kurzrasige Freiflächen zwischen Wohnblocks oder an Verkehrsstraßen. Mit zunehmender Begrünung der Freiflächen durch Bäume und Sträucher verschwindet die Haubenlerche. Als Beispiel Halle-Neustadt: um 1980 60-160 BP (Spretke in Gnielka 1983); 1982 60-120 BP (Gnielka 1985); 1983-1986 50-90 BP.

Im Saalkreis fehlte die Haubenlerche bis in die 1960er Jahre in kaum einem Dorf. Heute sind nur noch wenige Orte besetzt, meist in der Umgebung größerer Tierproduktionsanlagen. Mehrere Paare nutzen die ausgeräumte Spreu der Geflügelintensivhaltungen des KIM Gutenberg als Reviere, die Dächer der Baracken dienen als Singwarten.

Verkehrslärm, Bautätigkeit und menschliche Nähe stören diese Vogelart kaum, es scheint sogar, als suchten sie diese Faktoren. Nur drei Brutpaare wurden fernab menschlicher Siedlungen und Produktionsstätten bzw. Verkehrsanlagen gefunden, an der Müllstelle am Schalenberg, auf der Ruderalfläche östlich des Hufeisensees und im Bergbaurestloch bei Osendorf. Die Bergbaufolgelandschaft bei Etzdorf und andere Abbauhohlformen waren unbesetzt.

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